Teleportation zwischen Berlin und Tokio

An was denken Sie beim Wort Teleportation? Ist es für Sie eher die streng wissenschaftliche Quantenteleportation oder erinnern Sie sich ganz spontan an die Worte „Beam me up, Scotty“? Vielen ist nicht bekannt, dass es tatsächlich solche Teleports gibt, wo man zumindest in der Phantasie zwischen zwei Ländern wie Deutschland und Japan reisen kann, ohne die Strapazen eines 11-stündigen Interkontinentalflugs auf sich zu nehmen. So sind die S-Bahn-Bögen in Berlin nahe dem Savignyplatz und die S-Bahn-Bögen der Yamanote-Linie in Tokio zwischen Shinbashi und Yurakucho sowohl in historischer als auch in kulinarischer Weise magisch miteinander verbunden. Während es in Tokio zwei deutsche Restaurants unterhalb dieser S-Bahn-Bögen gibt, sind es in Berlin zwei japanische Restaurants. Wobei ich in Tokio nur vom Baden-Baden berichten kann und in Berlin dem Leser nur das seit 1995 bestehende Sachiko Sushi wirklich empfehlen möchte.

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Baden-Baden nahe dem Bahnhof Yurakucho, Tokio

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Sachiko Sushi beim Savignyplatz, Berlin

Doch dazu später mehr. Befassen wir uns zunächst mit der Entstehungsgeschichte der Ringlinie Yamanote in Tokio. Um die Jahrhundertwende gab es keinen vollständigen S-Bahn-Ring in Tokio, da die Tokaido-Linie in Shinbashi endete und die Züge nach Tohoku wie heute ab Ueno fuhren. Es waren deutsche Eisenbahningenieure, die der japanischen Regierung vorschlugen, nach dem Vorbild der Berliner Stadtbahn die Lücke zwischen Shinbashi und Ueno zu schließen und die Strecke als vierspurige Hochbahn auszuführen. Sicherlich wäre es wegen der Erdbebengefahr besser gewesen, für die Hochbahn eine Eisenkonstruktion zu wählen, doch machte man dies nur bei den Straßenunterführungen. Die restliche Strecke führte man als massiv gewölbtes Viadukt aus und verwendete dafür aus Kostengründen in Japan hergestellte Ziegel.

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Zusätzlicher Vorteil dieser Ausführung waren die möglichen Mieteinnahmen durch die gewölbten, feuersicheren Viadukträume, die bis heute von Firmen, Geschäften und eben auch Restaurants genutzt werden. Im Baden-Baden war ich vor vielen Jahren mit Funkamateuren aus Japan und Deutschland, um deutsches Bier mit deutschem Essen zu genießen. In Berlin habe ich bei meinem letzten Besuch im Sachiko Sushi leckeres Sushi gegessen. Ruhig und bedächtig kreisen dort die hölzernen Boote um den Sushitresen.

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Seit 1995 betreibt Tilman Zorn sein Restaurant in einem der S-Bahn-Gewölbebögen und schuf als Vorreiter für viele andere das erste Fließbandsushi-Restaurant in Deutschland. An einem Samstagmittag wähle ich das Businesslunch (3 € pro Teller) und bekomme sofort Tee und Misosuppe (hierbei inklusive) von einer sehr aufmerksamen Bedienung gebracht. Meine Wünsche gebe ich direkt an den erfahrenen Sushi-Koch und probiere mich durch 7 von 23 Nigiri-Sorten: Hamachi, Unagi, Ika, Maguro, Saba, Pompano und Toro schmecken alle vorzüglich und frisch.

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Nachdem ich auch einer vorbeifahrenden Maki-Rolle mit Ebi, angeflammtem Thunfisch und leckerer Soße nicht wiederstehen kann, türmen sich acht Schälchen vor mir auf. Übrigens bietet das Sachiko Sushi sonntags Sushi-Kochkurse an.

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Doch zurück zum Thema Teleportation: Sollte man in ferner Zukunft tatsächlich diese Technologie soweit entwickeln, dass sie beim Menschen ohne Bedenken angewandt werden kann, dann plädiere ich eindringlich dafür, den Einsatz streng zu regeln, um psychische Schäden durch das schnelle Herumreisen in der Weltgeschichte zu verhindern. In sogenannten Teleportationszentren muss man sich daher mindestens eine Stunde mental auf das Zielland vorbereiten. Für diesen Zweck wären das Baden-Baden zur Vorbereitung von Japanern auf Deutschland und das Sachiko in der Bundeshauptstadt Berlin für Teleportationen von Politikern, Diplomaten und Touristen nach Japan preiswerte Anlaufstellen. Zur Deckung der Energiekosten des Teleporters sollte man den Kanzlerairbus an Madame Tussauds verkaufen.

This article has 2 comments

  1. Fritz Reply

    Der Vergleich zur Berliner S-Bahn ist mir letztens in Yaesu auch wieder aufgefallen…

    Lustig, dass das Baden-Baden erwähnt wird, ich seh das recht selten in Blogs. Ich hab da 2010 ein paar Monate als Kellner gearbeitet und besuche es jedes Mal wenn ich in Tokyo bin. Gute Leute und gutes Brot!

  2. Pingback: 100 Jahre „The Tokyo Station Hotel“ | Japan in Berlin

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