Restauration eines alten Buchs aus Japan

Ich liebe Berlin wegen der vielen Buchantiquare, so habe ich dort bereits einige schöne alte Bücher aus Japan erworben. Manchmal ist der Zustand nicht  optimal und das Buch ist beschädigt, doch gibt es viele Beschädigungen, die sich leicht beheben lassen. Dank der speziellen Bindeart alter japanischer Bücher, lassen sich diese oft besser und einfacher reparieren, als aufwendig gebundene Bücher aus Deutschland.
Ich vergleiche die japanische Bindetechnik gerne mit einem deutschen zwiegenähten Schuh. Genauso wie man beim zwiegenähten Schuh die Sohle vom Oberleder mit einem Messer trennen kann, um ihn dann wieder zusammenzunähen, verhält es sich mit der japanischen Bindetechnik. Wenn man die Fäden entfernt kann man die Bücherdeckel komplett entfernen und wieder alles mit neuen Fäden zusammenfügen.

Japan-in-Muenchen-japanische-Buchbindung_IMG_5339Hier zeige ich die Restauration einer sogenannten „Yamato Toji“ Bindung, welche komplett aufgebrochen war. Nach über 100 Jahren waren die Fäden brüchig geworden, weshalb sich der Buchdeckel vom Rest getrennt hatte. Zunächst entfernte ich alle alten Fadenreste und leimte eine kleine Papierverstärkung vor das Vorsatzblatt.

Japan-in-Muenchen-japanische-Buchbindung_IMG_5340Im nächsten Schritt werden dann mit einer Nadel wieder neue Fäden eingezogen. Hierfür verwendete ich einen hochwertigen Seidenfaden, welcher in der Struktur und Farbe dem Originalfaden am nächsten kommt.

Japan-in-Muenchen-japanische-Buchbindung_IMG_5341Zum Schluss kommt dann der tatsächlich schwierigste Teil: Das Zusammenknoten der  Fäden. Nach meiner Recherche und durch Vergleich mit einem intakten Buch des gleichen Herausgebers K. Ogawa kam ich zum Ergebnis, dass es sich bei dem verwendeten Knoten wohl um einen rechts gesteckten Schotstek handeln müsste. Diesen Knoten mit den 14 dünnen Seidenfäden so zu binden, dass damit die Bindung wirklich fest wird, erfordert viel Geschick. Im Internet habe ich dazu wenig Informationen gefunden. So bin ich mit dem finalen Ergebnis noch nicht ganz zufrieden, aber zumindest besteht das Buch wieder aus einem Stück. Ich werde den Knoten weiter üben und gegebenenfalls bei meinem nächsten Besuch in Japan vor Ort bei einem Buchrestaurator recherchieren.

 

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