Gastbeitrag: Ein Interview mit Erik, Besitzer des japanischen Tee-Salons Macha Macha in Berlin.

macha_02 Ein Bericht über japanische Kultur in Deutschland. In dieser Serie interviewt die derzeit in Berlin lebende TJ-Bloggerin Wasabi Menschen, denen sie in Berlin begegnet ist und die mit japanischer Kultur verbunden sind. Heute interviewt sie den Besitzer des Macha Macha, einem japanischen Tee-Salon in Berlin.

Was ist Macha Macha? Es ist ein japanischer Tee-Salon, der letzten Oktober von einem Deutschen eröffnet wurde.

Das Macha Macha befindet sich am Hermannplatz, einer angesagten Gegend in Berlin. Das Ambiente des Ladens konzentriert sich rund um die Farbe weiß, mit einer hohen Decke, die von Carsten Krämer entworfen wurde. Die Vorhänge, die an den Wänden hängen, sind alle aus japanischem Papier hergestellt und wurden ebenfalls von Carsten zusammengenäht. Es gibt auch eine Terrasse mit einem japanischen Mini-Garten der viele Passanten zum Anhalten verleitet. Ich war überrascht, einen japanischen Garten in Deutschland zu finden, aber es fühlt sich so gut an, eine Tasse japanischen grünen Tees in diesem wohl organisierten, im Stil halb-europäischen, halb-japanischen Tee-Salon zu genießen. Der Laden wird von Erik geführt, einem Deutschen. Ich habe ihn zu der Frage interviewt, was ihn dazu gebracht hat, einen japanischen Tee-Salon in Berlin zu eröffnen und dazu, wie sein Interesse an japanischem Tee überhaupt entstanden ist.

macha_03Er kündigte seinen Job und machte sich auf die Reise. Seine Begegnung mit einem Großhändler für Tee stellte sich als eine glückliche Fügung des Schicksals heraus.

Meine erste Frage, die wahrscheinlich auch eure erste gewesen wäre, war, wie er dazu gekommen ist, einen japanischen Tee-Salon in Berlin zu eröffnen. Er erzählte mir, dass er im Jahre 2012 seinen Job kündigte und dann auf die Idee kam, eine Shikoku-Pilgerfahrt zu machen (dabei besucht man 88 Tempel, die alle mit dem japanischen buddhistischen Mönch Kukai in Verbindung gebracht werden). Schon in früher Kindheit war Erik ein großer Fan der japanischen Kultur, deshalb war die Reise nach Japan auch eine sehr aufregende und faszinierende Sache für ihn. Was ihn auf seiner Reise jedoch enttäuschte, war zu sehen, dass all die schönen kleinen Tee-Salons im Schatten der Kaffee-Läden großer Ketten standen, denn er wollte auf seiner Reise gerne eine ganze Bandbreite japanischer Grüntees kennenlernen.

Das passt zu dem, was die Leute, die zum letzten Tee-Workshop gekommen waren, den ich kürzlich in einem Artikel vorgestellt habe gesagt hatten: „Es ist irgendwie interessant zu sehen, wie die westliche und die japanische Kultur sich verändern: Japanischer Tee wird in Europa immer populärer und Kaffee in Japan.“

Laut Erik sinken die Produktionszahlen für japanischen Tee seit 30 Jahren, weil es für die japanischen Bauern schwer ist, allein vom Anbau grünen Tees zu leben. Deshalb sind manche von ihnen wieder dazu übergegangen, vermehrt schwarzen Tee anzubauen. In Japan hat grüner Tee ein wenig den Ruf, das Getränk zu sein, zu dem alte Leute greifen, wenn sie sich entspannen wollen. Ich verstehe schon, warum junge Japaner eher von Kaffee angezogen werden, der mit Bildern von New York oder von Europas malerischen Straßen beworben wird. Ich liebe Kaffee auch, aber trotzdem ist es schade, dass junge Leute in Japan sich immer weniger für grünen Tee interessieren, obwohl er viele gesundheitliche Vorzüge hat, die Kaffee nicht hat.

Während Erik also ein bisschen enttäuscht war von der geringen Popularität der Tee-Salons in Japan, traf er einen japanischen Tee-Großhändler, der ihm erklärte, dass es sehr schwer sein würde, die Popularität von grünem Tee in Japan wieder neu zu beleben, solange dieser nicht außerhalb Japans populärer würde. In diesem Moment wusste Erik, was er tun wollte.

macha_04Zurück zu den Wurzeln des Geschäfts.

Es ist faszinierend zu hören, dass es allein diese glückliche Begegnung mit dem Tee-Großhändler war, die Erik dazu brachte, ein Café in Deutschland zu eröffnen. Mit Blick auf die Zukunft des Macha Macha erwähnt Erik auch, dass er dieses Geschäft nicht bloß verfolgt, um Profit zu erwirtschaften, wie es die großen Café-Ketten tun. „In naher Zukunft will ich die Profite an diejenigen verteilen, die mit dem Macha Macha verbunden sind. Denn wenn man zu den Ursprüngen der Wirtschaft zurückgeht, diente sie ursprünglich dazu, Bedürfnisse zu erfüllen, nicht dazu, Profit zu machen.“ Dadurch verstehe ich auch besser, warum ich das Macha Macha so sehr liebe – weil dahinter Eriks Philosophie steht und das ist viel wichtiger, als Tonnen schrecklichen Kaffees oder Tees an Kundenmassen zu verkaufen, denen man absolut keinen qualitativ hochwertigen Service bieten kann.

macha_05Ist das Geheimnis des grünen Tees „Umami“, dass es riecht wie der Ozean?

In Deutschland bekommt man grünen Tee problemlos im Supermarkt, aber nur sehr wenige Leute wissen, wie man ihn richtig zubereitet. Zum Beispiel benutzt man niemals kochendes Wasser – das Wasser sollte um die 70-80°C heiß sein. Milch und Zucker hinzuzufügen ist in Deutschland üblich – für die meisten Japaner klingt das wohl eher seltsam. Macha Macha serviert seinen Tee hingegen auf die authentische Art, so dass sogar Japaner überrascht sind, die mit dem Zubereiten von Tee nicht so gut vertraut sind. Es war auch interessant zu erfahren, dass Deutsche, die zum ersten Mal grünen Tee probierten, den Geschmack mit Seetang verglichen. Das brachte mich auf den Gedanken, dass der Lieblingsgeschmack der Japaner (bekannt als „Umami“) sich vielleicht von der Geographie Japans ableitet, das ja von reichen Ozeanen umgeben ist, in denen man alle Arten von Meeresfrüchten fangen kann. Laut Erik ist der Umami-Geschmack fast schon suchterzeugend und es gibt Leute, die immer wieder sagen, dass sie nichts anderes mehr trinken können als grünem Tee. Die Qualität des grünen Tees, den Macha Macha zubereitet überrascht sogar japanische Kunden! Ich konnte Eriks Leidenschaft und Liebe für das Macha Macha und seinen geliebten japanischen Tee direkt spüren.

macha_06„Ich glaube, in meinem früheren Leben war ich Japaner!“ –Erik

Ich kann sehen, dass Eriks Liebe für Japan sehr tief reicht. Wenn man ihn nach dem Grund fragt, warum er Japan so liebt, antwortet er: „Ich weiß nicht, aber ich liebe es einfach sehr.“ Diese Antwort mag einigen von euch nicht besonders überzeugend erscheinen, aber ich selbst kann es ihm gut nachfühlen, weil ich das gleiche Gefühl auch schon hatte. „Vielleicht war ich in meinem früheren Leben Japaner, das ist vielleicht der wahrscheinlichste Grund.“, so Erik weiter. „Schon als ich Schüler war, habe ich japanischen Tee getrunken und mich für japanische Philosophie interessiert – Zen und so weiter.“ „Deutschland und Japan haben eine Art Verwandtschaft zueinander.“ „Ich möchte den echten japanischen Tee in Deutschland einführen und den Menschen einen Weg zeigen, wie sie ‚ihre Seele nähren’ können, indem sie sich Zeit nehmen, Tee zu trinken.

Macha Macha ist bisher mein persönliches Lieblings-Café in Berlin und es war das erste Mal, dass ich mit Erik gesprochen und seine Geschichte gehört habe. Durch dieses Interview habe ich Berlin noch ein Stückchen mehr lieben gelernt! Ein Mann aus Deutschland arbeitet hier so hart dafür, japanische Kultur zu verbreiten und neue Dinge daraus zu erschaffen… das hat mich zum Nachdenken darüber gebracht, wie wichtig es für junge Japaner ist, japanische Kultur neu zu definieren.

Derzeit ist das Wetter in Berlin durchgängig schön mit ganz viel Sonne. Auf der Terrasse im Sonnenschein eine schöne Tasse grünen Tee zu genießen, mit einem leichten Geruch nach Ozean in der Nase, der sich langsam in meinem Mund ausbreitet, das erinnert mich an Tage, die ich Japan verbracht habe. Wenn Ihr in Berlin seid, testet den japanischen Tee-Salon Macha Macha auf jeden Fall!

 

Autorenbiographie

Wasabi ist Bloggerin und Übersetzerin aus Japan und ist auf japanische Kultur in Deutschland spezialisiert. Derzeit lebt sie in Berlin. Auf der Suche nach der Zukunft einer multikulturellen Gesellschaft ist sie 2015 dort hingezogen, und interviewt seitdem unterschiedlichste Menschen, die alle irgendeine Art von Verbindung zu Japan haben. Ihre Interviews und Berichte findet man auf der japanischen Plattform „Tadaima Japan“ und dem Blog der Deutschen Botschaft in Tokio, „Young Germany“. Außerdem teilt sie ihre Ansichten zu japanischer Kultur, Informationen zu ihren Übersetzungs-Projekten und manchmal auch Dinge aus ihrem alltäglichen, künstlerischen Leben auf ihrem Blog „Calico Translations“.

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